Die militärischen Lorbeeren

Ein vermeintlicher Trumpf für den CV?

Wie alle anderen auch hast du dir bereits eine Meinung über die Armee gefasst, und damit auch über die Gradträger, welche sie leiten. Es gibt ganze Heerscharen von Urteilen über die dekadente Institution auf dem Abstellgleis, welche das Puzzle der gesamten Gesellschaft als «Prunkstück der Nation» in sich vereint und in ihren Reihen die Elite von morgen umfasst. Allerdings zählt von all diesen Meinungen nur eine einzige. Diejenige des Recruiters – er selber vielleicht ein Offizier oder aber ein Hippie –, dem du deinen militärischen Aufstieg als wichtigsten Trumpf in deinem CV präsentierst. Was machst du im Bewerbungsgespräch also am besten mit deinen Offiziersqualitäten?


Ohne „Achtung“

Vor noch nicht allzu langer Zeit hättest du als militärisches Kader den Job praktisch auf sicher gehabt, während man heute schon fast dazu tendiert, sein militärisches Engagement zu verheimlichen. Wenn der militärische Ton in den Unternehmens heute keinen Erfolg mehr hat, dann deshalb, weil Management sich zu einem mehr partizipativen denn autoritären Modell weiterentwickelt hat. Ebenso hat die militärische Führungserfahrung an Besonderheit eingebüsst, da mittlerweile eine Reihe von zivilen Institutionen die Aneignung derselben Kompetenzen anbieten. Dennoch findet der Pressesprecher der Schweizer Armee, Christoph Brunner, dass Cdie Armee weiterhin die beste Schule der Schweiz für die praktische Ausbildung in der Führungserfahrung“ sei. Auch Céline Reymont Joneleit, Kommunikationsverantwortliche bei der CSS Versicherung, bestätigt: “nur in der Armee ist es möglich, dass eine 25 Jahre junge Person bereits 200 Leute unter ihrer Leitung gehabt haben kann.“

Deine militärischen Qualifikationen im Lebenslauf zu erwähnen wird nicht zu deinem Nachteil sein, solange du dich nicht als kleinen Diktator beschreibst. Renaud de Goumoëns, Personalverantwortlicher bei British American Tobacco Schweiz, empfiehlt zudem: „man soll den Akzent mehr auf die erworbenen Fähigkeiten setzen als auf die Beschreibung der militärischen Erfahrung an sich.“ Diese Erläuterung ist umso wichtiger geworden, als im Zuge der Globalisierung ausländische Firmen das Ausbildungssystem der Schweizer Armee nicht mehr kennen. Auf diese Weise kannst du deine Kompetenzen im Krisenmanagement und in der Personalführung oder deine Entscheidungsfreudigkeit und dein Organisationstalent hervorheben.


Unbeliebte Absenzen

Wie auch im Falle der Mutterschaft, lösen die jährlichen vier Wochen Abwesenheit aufgrund der Wiederholungskurse bei Personalverantwortlichen nicht gerade Freudensprünge aus. Während es für Renaud de Goumoëns „am Arbeitgeber liegt, seine Flexibilität unter Beweis zu stellen und sich den kurzzeitigen Abwesenheiten anzupassen“, sieht Céline Reymont in den Absenzen weiterhin „ein kontraproduktives Element, da die Arbeitskollegen dann die Arbeit in dieser Zeit übernehmen müssen.“. Sich dieses Ungemach bewusst, meint Christoph Brunner, dass es auch die Aufgabe des Kandidaten sei, seinen Arbeitgeber „vom klaren Mehrwert der Kaderweiterbildung gegenüber den verlängerten Absenzen zu überzeugen.“.

Während die militärische Kaderausbildung immer mehr auf zivile Methoden setzt, liegt es an dir, die Vorurteile abzubauen, mit welchen militärische Kader konfrontiert werden. Dazu musst du deine praktische Erfahrung ebenso in den Vordergrund stellen wie die Übertragbarkeit deiner in der Armee hart erarbeiteten Kompetenzen in die Wirtschaft. Hierbei wirst du insofern unterstützt, als dass die Schweizer Kader Organisation (SKO) 2009 ein Diplom für die Validierung militärischer Kompetenzen für die Berufswelt implementiert hat.