Interview: Wie soll man sich auf seine berufliche Zukunft vorbereiten?

Zwei Spezialisten aus den Bereichen Ausbildung und Arbeit geben uns ihre Tipps, wie man sich am besten auf den Berufseinstieg vorbereitet.  

Bernard Thévoz, psychologischer Berater beim Orientierungsdienst und Übersetzer des Buches von Rudolf H. Strahm, beantwortet unsere Fragen.

Wie könnten Hochschulen die Studierenden besser auf die Arbeitswelt vorbereiten?

Indem sie die theoretischen und praktischen Fächer besser miteinander verbinden. Die Universität könnte ein Projekt initiieren, das die Studenten raus in die Praxis schickt, um zum Beispiel Umfragen oder Beobachtungen durchzuführen. Die Gründung fiktiver Unternehmen wäre auch eine gute Möglichkeit.

Wie können Studierende ihren Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern?

Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten. Die Vorbereitung geschieht weit vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt. Durch Studentenjobs oder Aktivitäten, welche es einem ermöglichen, sich der Realität der Wirtschaft zu stellen und sich einige Persönlichkeitszüge anzueignen, welche die Unternehmen schätzen: zum Beispiel Pünktlichkeit, Genauigkeit oder Kontaktfreude.

Müssten einige Studiengänge einen Numerus Clausus einführen?

Eine endlose Debatte. Es gibt ihn bereits in der Medizin und einigen anderen Bereichen, welche auf Hilfe oder den Bund angewiesen sind. Bei subventionierten Berufen lässt sich eine Quote vorstellen, um eine gewisse Kontrolle zu haben. Ansonsten leben wir in einem Land der freien Marktwirtschaft, weshalb es an sich keinen Grund gibt, die Anzahl Studenten zu begrenzen. Aber Rudolf H. Strahm befürwortet in seinem Buch eine Begrenzung in einigen Studienbereichen, darunter Kunst und Schauspiel.

Glauben Sie, dass die Studierenden ihr ganzes Leben lang in ihrem angestammten Bereich arbeiten oder den Bereich wechseln werden?

Noch einmal, wir leben in einem Land der freien Marktwirtschaft und nicht der Planwirtschaft. Darüber hinaus legt man in den spezifischen Bereichen im Vergleich zu früher auch immer mehr Wert auf verschiedene Kompetenzen.

Ein Schlusswort?

Wir können auf den Titel des Buches von Strahm zurückkommen: « die Akademikerfalle ». Es bezieht sich auf die Überzeugung vieler Eltern – oftmals Immigranten –, die nur das Beste für ihre Kinder wollen; sie denken, dass eine Ausbildung an einer Hochschule notwendig für den Erfolg ihrer Sprösslinge sei, was aber überhaupt nicht zwingend der Fall ist.


Roger Piccand, ehemaliger Chef des Arbeitsamtes des Kantons Waadt, beantwortet  unsere Fragen.

Wie könnten Hochschulen die Studierenden besser auf die Arbeitswelt vorbereiten?

Eine gute Möglichkeit ist, die Jungen zu ermutigen, Praktika zu absolvieren. Das Beste wäre , diese in die Ausbildung zu integrieren, wie dies bei der Medizin und einigen Studiengängen der EPFL (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne) bereits der Fall ist.

Wie können Studierende ihren Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern?

Sie können versuchen, neben ihrem Studium etwas zu arbeiten.  Dadurch lernen sie, wie ein Unternehmen funktioniert. Sprachkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil. Man kann einen Teil seines Studiums  in einer anderen Sprachregion in der Schweiz oder im Ausland absolvieren.

Müssten einige Studiengänge einen Numerus Clausus einführen?

Das ist keine gute Lösung. Dies kann die Jungen zwingen, eine Ausbildung zu absolvieren, die sie eigentlich gar nicht machen möchten. Zum Beispiel ein Student, der gerne Jus studieren würde, aufgrund der Quote darauf verzichten muss und dann ein Psychologiestudium beginnt; er würde nicht glücklich werden. Das wäre eine gigantische Einschränkung, die es den Studierenden verunmöglicht, ihr Traumstudium zu machen und würde sie demotivieren.

Glauben Sie, dass die Studierenden ihr ganzes Leben lang in ihrem angestammten Bereich arbeiten oder den Bereich wechseln werden?

Darauf gibt es keine einfache Antwort, weil es von der Ausbildung abhängt, ob sie eher allgemein oder sehr spezifisch ist. Ein Architekt wird sich zum Beispiel viel weniger neu orientieren als ein Ökonom. Manche verbringen ihre gesamte Karriere bei einem Unternehmen, während andere im Laufe ihres Lebens einige Male wechseln.

Ein Schlusswort?

Wenn es eine Regel gäbe, dann diese: Dass man das machen soll, was man liebt.