Kurse, Kaffee… und Frisuren !

Wie im Laufe der Zeit aus Haarschnitten ein Portrait entsteht.

Die Haarpracht, ein wichtiger Bestandteil unseres Aussehens, wird häufig bestimmten Typen zugeordnet. Und wenn der Friseur schon trotz eines eher begrenzten Budgets einen festen Platz einnimmt, fragt man sich, ob es nicht auch einen Studentenstil gibt: die Irokesenschnitte haben die Rechtsfakultät erreicht und die strengsten Scheitel haben die Geisteswissenschaften noch nie wirklich verlassen.

Nach der Dauerwelle

Egal was man von den fantastischen Rockertollen und den kunstvollen Mähnen der 70er Jahre hält, es ist klar, dass zu dieser Zeit die Befreiung der kapillaren Merkmale im Zuge einer stark von den Studenten beeinflussten Bewegung geschieht. Aus dem was Mai ‘68 ausmachte, sind Föhnfrisuren entstanden, die Symbole der Emanzipation geworden sind. Dies ist der Fall in der Schweiz, obwohl der Protestgeist eine kleinere Rolle gespielt hat im Vergleich mit der Verbreitung der Popkultur.

Zudem sieht diese Zeit gleichzeitig Vokuhilas und eine Reihe von Ereignissen und Orten im Zusammenhang mit den neuen alternativen Wellen aufblühen, zuerst «ännet em Röschtigrabe» (also in der Deutschschweiz) und dann im ganzen Land. Diese von den Studenten meist befürworteten Underground-Triebe fördern eine Stimmung des Nonkonformismus; die jeweilig aktuellen (und kommerziellen) Modetrends werden abgelehnt. Es folgen aufeinander Afros, Irokesenschnitte, Peroxidationen bis zu den kraftvollen, knalligen Frisuren der 2000er Jahre, die stark an Mangas erinnern.

Die Haarsträhne verkaufen

Sind die gewagten Frisuren also ein Mittel, um sich über die geltenden Normen hinwegzusetzen? In diesem Fall kann man sich vorstellen, dass die Studierenden ihren Haarschnitt vor dem Eintritt in die Arbeitswelt bisweilen radikal überdenken. Auch wenn die Vorschriften bezüglich der Aufmachung immer lockerer zu werden, bevorzugen die meisten Arbeitgeber weiterhin ein nicht zu exzentrisches Erscheinungsbild. Trotzdem nutzt man die Gelegenheit sich innerhalb dieser Grenzen nach Belieben zu frisieren.

Die Erwartungen auf diesem Gebiet können sogar sehr hoch sein, selbst für einen Nebenjob. In der Regel verlangen die grossen Unternehmen, dass ihre Angestellten ein gutes Erscheinungsbild abgeben um die Marke zu vertreten, vor allem bei Kundenkontakt. Die Freiheiten und Einschränkungen in Bezug auf das Aussehen drehen sich aktuell vor allem um Tätowierungen und Piercings, aber eine grosse Kreativität –manche würden sagenschlechter Geschmack – bei  der Frisur, stösst ebenso häufig auf Misstrauen.

Unzählige Stilrichtungen

Heutzutage fällt es eher schwer, unter dem was man auf den Universitätsgeländen so sieht, eine Mode auszumachen. Jeder hat seinen eigenen Zugang zu Mode. Messy buns, side cuts und andere mehr oder weniger anglisierte Haarschnitte haben ebenso von sich reden gemacht wie die bereits seit einiger Zeit erfolgte Rückkehr des Barts, welcher den neuen Aufschwung der barber shops in den meisten Städten der Romandie verursacht hat. Die ländliche und verwaschene Ästhetik, die vor allem via soziale, auf Bilder spezialisierte Netzwerke (Tumblr, Instagram etc.) vermittelt wird, betrifft natürlich nicht nur das studentische Umfeld.

Mehr nach der persönlichen Ausdrucksmöglichkeit orientiert, geben die Frisuren der Studierenden heute kaum noch zusammenhängendes Bild, geschweige denn ein Indiz für die soziale Zugehörigkeit ab. Zeichen der Zeit und Demonstration eines Desinteresses gegenüber den Bewährungsproben welche die Universitäten und Hochschulen zu bestehen haben ? Oder Anwendung des berühmten kritischen Geistes, angebliche Frucht der meisten Studiengänge der höheren Schulbildung? Dies bleibt zu debattieren!