Meine Mitbewohner – richtige Kinder

Eine Frage der Disziplin

Wenn man aus dem Schoss – sprich Würgegriff – der Familie herauskommt, hat man fast zwei Jahrzehnte lang einen bestimmten Lebensstil gepflegt. Sich davon distanzieren zu wollen, kann sehr verlockend sein. Ob man eine WG neu gründet, in eine bestehende einzieht, ob man die Mitbewohner schon lange kennt oder sie nach dem Einziehen erst kennenlernt: All das hat grossen Einfluss auf das Verhältnis zwischen den Bewohnern und auf die Organisation des mehrköpfigen Haushalts. Schnell gibt es die ersten Differenzen zwischen den Mitbewohnern, die die Dinge in die Hand nehmen und jenen, die die Verantwortung lieber aus der Hand geben.

Eine Frage der Erfahrung

Das Alter mag oft ein wichtiger Faktor sein und bei der der Wahl neuer Mitbewohner kann der Altersunterschied entscheidenden Einfluss haben. Das heisst aber nicht, dass die Jüngsten die am wenigsten Verantwortungsbewussten sind! Viele stellen fest: In einer Umgebung, wo Hierarchien nicht zählen, wird aus Initiative, sogar wenn nur zufällig ergriffen, schnell Gewohnheit. Dumm, dass du als Erster den hässlichen Fleck auf den Fliesen entdeckt hast. Schon bist du fürs Putzen verantwortlich.
Diese Funktionsweisen, von denen wir alle das Gefühl haben, ihnen zum Opfer zu fallen, werden durch Trägheit und mangelnde Absprachen zwischen den Mitbewohnern begünstigt. Manchmal führen sie zu Zusammenstössen. In einer WG ist eines der höchsten Gebote, nicht in die Freiheit der anderen Mitbewohner eingreifen zu wollen, was aber dazu führen kann, dass man sich nicht traut, jemanden auch mal um einen Gefallen zu bitten.

Kindermädchen aus Überzeugung?

Es kann befriedigend sein, sich bis zu einem gewissen Grad um seine Mitbewohner zu kümmern – wenn diese es zu schätzen wissen. Wenn man ein Talent für Organisation und Planung hat, dann werden die meisten sehr dankbar um entsprechende Unterstützung sein. „Mama“ oder „Papa“ für seine Mitbewohner zu sein, bedeutet, dass man sich über tausend Dinge Gedanken macht, die man eigentlich beim Verlassen des elterlichen Nests hinter sich lassen wollte. Es bedeutet aber nicht, deine Mitbewohner von vorne bis hinten zu bedienen.
Wie bei allen Gemeinschaften ist die Basis für ein funktionierendes Zusammenleben die Kommunikation und der Austausch. Wenn sich alle einigen können, wird sich ausserdem zeigen, dass gutes Entscheiden vor allem gutes Delegieren ist.